Keine Hauptschulabschlussprüfung mehr!

An den Schulen geht jetzt wieder die fünfte Saison zwischen Frühling und Sommer zu Ende: Die Prüfungszeit. Im Saarland werden alle Abschlüsse an allgemeinbildenden Schulen...

Die GEW fordert die Abschaffung der zentralen Hauptschulabschlussprüfung! 

Saarbrücken – An den Schulen geht jetzt wieder die fünfte Saison zwischen Frühling und Sommer zu Ende: Die Prüfungszeit. Im Saarland werden alle Abschlüsse an allgemeinbildenden Schulen nur nach landeseinheitlichen Prüfungen vergeben. Insbesondere die seit 2002 bestehende Hauptschulabschlussprüfung steht seit ihrer Einführung zu Recht in der Kritik. Zweck der Prüfung ist laut Prüfungsverordnung der Nachweis, dass die Schüler_innen die Lernziele erreicht haben, die in den Lehrplänen für den auf den Hauptschulabschluss bezogenen Unterricht vorgegeben sind. Der Hauptschulabschluss berechtigt zum Beginn einer beruflichen Ausbildung im Rahmen des dualen Ausbildungssystems und soll die Berufsreife attestieren. Die Prüfung sollte nach Auffassung der damaligen CDU Landesregierung die Vergleichbarkeit der Schulleistungen sichern und Schulabgängern bessere Chancen auf dem Lehrstellenmarkt eröffnen.


Auf dem Lehrstellenmarkt zeigt sich sehr deutlich, dass der Hauptschulabschluss bei Ausbildungsbetrieben nach wie vor kaum gefragt ist. Das Bildungsniveau der Schulabgänger hat sich durch die zentralen Prüfungen offensichtlich nicht erhöht, und die Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben sich auch nicht verbessert. Der organisatorische und finanzielle Aufwand, den die zentralen Abschlussprüfungen machen, hat sich nicht gelohnt.

An Gymnasien erhalten Schüler_innen den Hauptschulabschluss - auch dann, wenn ihre Leistungen durchgängig mangelhaft sind - ohne Prüfung nach der 9. Klasse nachgeworfen. Gerecht ist das nicht.

Jedes Jahr kommt es durch die Abschlussprüfungen teilweise zu erheblichen Störungen des Schulbetriebes. Vielerorts ist in der Prüfungssaison von einem geregelten Schulbetrieb nichts mehr zu spüren. Durcheinander, Hektik und Stress machten sich unter Schüler_innen wie Lehrern breit. Aus organisatorischen Gründen wie Lehrereinsatz bei Prüfungen und Raumbelegung fällt der Unterricht für Schüler, die nicht geprüft werden, mehrfach aus. Lehrkräfte und Schulleitungen sind durch die Abschlussprüfungen in hohem Maße mehrbelastet, ohne dafür einen angemessenen Ausgleich z.B. durch Stundenermäßigungen oder zusätzliche Vergütungen zu erhalten.

In den Abschlussklassen wird überwiegend Prüfungsstoff gepaukt. Für andere wichtige Bildungsinhalte geht viel wertvolle Unterrichtszeit verloren. In dem Zeitraum zwischen schriftlichen und mündlichen Prüfungen ist es schwierig, Schüler zu motivieren.

Es gibt sinnvollere Verfahren der Leistungsfeststellung. Statt lediglich das punktuelle Prüfungslernen zu verstärken, fordert die GEW Abschlussverfahren, mit denen dauerhaft erworbene Kompetenzen der Schüler_innen, wie z.B. Kommunikationsfähigkeit und problemlösendes Denken festgestellt werden.

Eine Evaluation der Hauptschulabschlussprüfungen hat nie stattgefunden. Die GEW fordert die Abschaffung zentraler Prüfungen für den Hauptschulabschluss, weil die Ergebnisse fragwürdig, die Belastungen unzumutbar und die Störungen des geregelten Schulbetriebs erheblich sind.